Ein Blick auf Apostelgeschichte 13,48
Analyse mit Hilfe neuster Computertechnik
Der Text im Überblick
Ἀκούοντα δὲ τὰ ἔθνη ἔχαιρεν καὶ ἐδόξαζον τὸν λόγον τοῦ κυρίου καὶ ἐπίστευσαν ὅσοι ἦσαν τεταγμένοι
εἰς ζωὴν αἰώνιον·
„Als die Völker (es) nun hörten, freuten sich und priesen das Wort des Herrn und glaubten, so viele
bestimmt waren zum ewigen Leben.
Alternativen zum o.g. Vorschlag, wie später begründet: „…. und glaubten. Alle die waren zum ewigen Leben
bestimmt.“
Zum Unterschied in den Ausgaben des griechischen Neuen Testaments
Die Grundtextausgabe nach Nestle-Aland (mit dessen Hauptzeugen aus dem Raum Ägypten: Codex
Vaticanus, gefolgt vom ebenfalls von dort stammenden Codex Sinaiticus, die zusammen zu einem Kunsttext
verbunden wurden) druckt mit ἔχαιρον (“sie freuten sich”) statt richtig: ἔχαιρεν (wörtlich “es freute sich)
ebenso wie in Luk 12.30 und an vielen anderen Stellen die an die Sprache im Raum Ägypten nötige (und
dort nicht anders mögliche) Form, da dort, anders als im Griechischen, Neutra wie τὰ ἔθνη („die Völker“)
nicht mit einem Prädikat im Singular zum Ausdruck bringen kann, ab. Wörtlich hieße es „die Völker freute
sich“, was im Deutschen ebenfalls nicht grammatisch ist. Dies ist neben vielen anderen Hinweisen ein
Zeichen des bewussten Eingriffs von sorglosen Kopisten, die sonst die Texte zu kopieren hatten, hier jedoch
Eingriffe in Gottes heiliges Wort vornahmen, um dieses an ihre Bedürfnisse anzupassen. Diese Praxis kann
es auch in unserem Leben, im übertragenen Sinn geben, dass wir, wenn wir etwas nicht verstehen, uns
nicht beugen, sondern Gottes Wort so verändern, wie es uns gefällt. Davon geben auch die Irrlehren und
falschen Praktiken in den Sekten Ägyptens Ausdruck. Die Kombination von kollektiven Neutra (also
Wörtern die eine Gesamtheit ausdrücken, wie “Laub, Kinder” oder auch “Völker” mit einem Prädikat (der
Satzaussage) mit einem Verb in der Einzahl, ist im Neuen Testament in Übereinstimmung mit dem
Griechisch der damaligen Zeit (vgl. Eph 4.16, wo die o.g. Handschriften des Nestle-Aland Textes den Text
nicht anpassen wollten und es heißt: καθὼς καὶ τὰ λοιπὰ ἔθνη (Neutrum Plural) περιπατεῖ (Singular). Im
Griechischen der damaligen Zeit und auch im Neuen Testament konnte bei Kollekiva das Prädikat aber dann
auch im Plural stehen, wenn nicht die Gesamtheit, sondern die Zusammensetzung aus vielen Teilen, zum
Ausdruck kommen sollte. Dass zurzeit, als einige Handschriften nach Ägypten kamen, dort Griechisch nicht
mehr beherrscht wurde, zeigen Beispiele wie dieses. Wir entscheiden uns, diese ganz deutlich falsche
Lesart nicht zu beachten und bleiben beim Konsens der griechischen Handschriften, die der Text von
Robinson-Pierpont in allen Ausgaben abgedruckt hat und halten an dieser Stelle bereits fest, dass der
Singular ἔχαιρεν (eigentlich “es freute sich”, da dies im Deutschen ebenso wie damals in Ägpyten nicht
möglich war, “sie freuten sich”) die Völker als Einheit, als Ganzes sieht, den sonst hätte Lukas tatsächlich
den Plural gewählt, der jedoch nicht im Original von Lukas stand.
Parallelstellensuche zu Apg 13.48 mit BibleWorks anhand von zwei
Beispielen
Mit einem Klick auf das Register „Tools“ unter der Eingabe, kann man mit „Find Related Verses (RVT)“
Parallelstellen suchen und die Wörter aus dem Ausgangsvers Apg 13.48 anwählen (links), die von Interesse
sind. Im mittleren Feld werden nach Übereinstimmungen sortierte Stellen angezeigt, die man anklicken und
rechts aufrufen kann. Dieses Tool funktioniert mit allen Bibeln und man kann beliebige
Auswahlmöglichkeiten treffen:
Beispiele für Parallelstelle und Vergleiche mit Apg 13.48
Bei entsprechender Einstellung des Tools würden Parallelen erscheinen, interessant insbesondere die vom
selben Autor und in unmittelbarer Nähe. Wir greifen zwei heraus:
1) Der Vergleichsvers in Apg 13.12 lautet: „Τότε ἰδὼν ὁ ἀνθύπατος τὸ γεγονὸς ἐπίστευσεν, ἐκπλησσόμενος
ἐπὶ τῇ διδαχῇ τοῦ κυρίου“. „Dann, als der Prokonsul sah, was geschehen war, glaubte er, erstaunt über die
Lehre des Herrn“. Apg 13.48 hingegen: „Ἀκούοντα δὲ τὰ ἔθνη ἔχαιρεν καὶ ἐδόξαζον τὸν λόγον τοῦ κυρίου
καὶ ἐπίστευσαν ὅσοι ἦσαν τεταγμένοι εἰς ζωὴν αἰώνιον“· „Als die Völker (es) nun hörten, freuten sich und
priesen das Wort des Herrn und glaubten, so viele bestimmt waren zum ewigen Leben.
In erster Stelle geht es um Sehen und Glauben, in 13.48 um Hören und Glauben. Beim ersten Mal geht es
um eine Einzelperson, bei zweiten Vorkommen um die Völker als Kollektiv, natürlich, nicht die weltweit
lebenden, sondern, die der Predigt zuhören wollten. Das Subjekt (Apg 13.23: der Prokonsul; Apg 13,48 die
Völker) des Nebensatzes, der vorgezogen ist (d.h. erst kommt der Nebensatz, dann der Hauptsatz) ist nicht
jeweils im Partizip implizit. Somit wäre falsch: „Als sie es nun hörten, glaubten die Völker….“.
Das Partizip in beiden Nebensätzen ist dem Tempus nach Präsens, d.h. der Nebensatz gibt an, was parallel
zum Hauptsatz abläuft, da im Deutschen die Subjunktionen (die Bindewörter der Nebensätze) explizit zu
nennen sind, kann man über „weil, als, während, indem“ etc. nachdenken. In beiden Stellen kommt
glauben dem Tempus nach im Aorist vor (ἐπίστευσεν (“er glaubte” bzw. ἐπίστευσαν (“sie glaubten”). Damit
bezieht sich Lukas auf das Einsetzen des Glaubens als Reaktion auf das Wort Gottes (ingressiv). Was einmal
als Objekt gesehen wird, das den Glauben auslöste ist zunächst τῇ διδαχῇ τοῦ κυρίου (“die Lehre des
Herrn”), dann in Apg 13,48: τὸν λόγον τοῦ κυρίου (“das Wort des Herrn”). Der Satz nach dem Glauben
beschreibt jeweils das Subjekt (Prokonsul bzw. die Heiden) näher: ἐκπλησσόμενος ἐπὶ τῇ διδαχῇ τοῦ
κυρίου („erstaunt über die Lehre des Herrn“) bzw. „ὅσοι ἦσαν τεταγμένοι εἰς ζωὴν αἰώνιον“ („so viele
bestimmt waren zum ewigen Leben“). Unterschiedlich ist die Realisation des letzten Satzteils: Im ersten
wird kein Pronomen wie ὅσοι (“so viele”) gebraucht, da es ja um eine Einzelperson geht, dann gebraucht
Lukas im zweiten Fall eine Kombination (Periphrase) ἦσαν τεταγμένοι (“waren bestimmt”) als Prädikat.
Man kann daher sagen, dass das Kennzeichen des Prokosuls das Staunen war, das der Völker, dass sie zum
ewigen Leben bestimmt sind bzw. waren. Wichtig ist, dass die jeweiligen Merkmale nach dem Einsetzen des
Glaubens kommen, d.h. die Völker glauben also nicht, weil sie zum ewigen Leben bestimmt sind, sondern
sie sind zum ewigen Leben bestimmt, weil sie glauben. Auch glaubte der Prokonsul, darauf oder dabei
erstaunt ihn die Lehre des Herrn. In beiden Fällen ist das Bezugswort, vergleichbar: Der Prokonsul bzw. die
Völker, d.h. das Subjekt ändert sich im letzten Teil nicht, sodas “und es glaubten, …..” nicht zu rechtfertigen
wäre, da das Subjekt die Heiden sind, diese glaubten und werden dann näher gekennzeichnet, als zum
ewigen Leben bestimmt.
2) Apg 18.8 Κρίσπος δὲ ὁ ἀρχισυνάγωγος ἐπίστευσεν τῷ κυρίῳ σὺν ὅλῳ τῷ οἴκῳ αὐτοῦ· καὶ πολλοὶ τῶν
Κορινθίων ἀκούοντες ἐπίστευον καὶ ἐβαπτίζοντο. „Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, glaubte an
den Herrn mit seinem ganzen Hause; und viele der Korinther, welche hörten, glaubten und wurden
getauft“. Apg 13.48 hingegen lautet: „Ἀκούοντα δὲ τὰ ἔθνη ἔχαιρεν καὶ ἐδόξαζον τὸν λόγον τοῦ κυρίου καὶ
ἐπίστευσαν ὅσοι ἦσαν τεταγμένοι εἰς ζωὴν αἰώνιον“· „Als die Völker (es) nun hörten, freuten sich und
priesen das Wort des Herrn und glaubten, so viele bestimmt waren zum ewigen Leben.
Auffällig ist, dass in Apg 18.8 „glauben“ beides mal wieder zunächst im Aorist steht: ἐπίστευσεν („er
glaubte“ bzw. „sie glaubten“). Dann wechselt in Apg 18.8 das Subjekt und Zuhörer aus der Stadt Korinth
werden beschrieben, d.h. πολλοὶ („viele“) ἀκούοντες („als sie hörten“) eingeschränkt, d.h. nicht alle
Korinther glaubten, evtl. nicht einmal alle, die hörten, sondern „viele“ der Zuhörer. Dann wird beim zweiten
Teil von Apg 18.8 „glauben“ ganz auffällig als Imperfekt gebraucht, ebenso „taufen“ (ἐπίστευον und
ἐβαπτίζοντο). Wir können in einer Grammatik nachlesen, dass eine der Nuancen des Imperfekts, das
Einsetzen einer anhaltenden Handlung angibt, etwa indem wir in BibleWorks die Wallace-Grammatik
aufrufen:
Die Nuance angewandt auf den Text zeigt, dass viele der Zuhörer, anfingen zu glauben und getauft zu
werden. D.h. die Verkündigung leitete den Beginn ein, dass Menschen aus Korinth begannen zu glauben
und getauft zu werden. Also die Predigt war der Anfang dieser Ereignisse. Im Gegensatz dazu betont der
Aorist in Apg 13.48 den Zeitpunkt der Bekehrung der anwesenden Personen aus den Völkern, d.h. denen
die Tür des Glaubens aufgetan wurde, nachdem die Juden das Evangelium abgelehnt hatten.
Grober Überblick anhand von zwei Stemma (BibleWorks und Logos)
In BibleWorks können wir eine graphische Übersicht gewinnen, indem wir das Stemma aufrufen, das
zunächst etwas verwirrend erscheint, aber bei genauer Betrachtung hilfreich ist. Wir kommen später darauf
zurück, jedoch ist uns klar, dass die Anordnung auf bereits eine Interpretation ist und somit diskutiert
werden muss, da aus Parallelen hervorgeht, dass der Nebensatz am Ende nicht, wie hier angezeigt, das
Subjekt von “glauben” ist (mit “x” im Stemma markiert), sondern es sind die Heiden die glauben, diese
werden dann näher in Detail bezeichnet:
Im Stemma von Logos (Cascadia) zeigt sich die Graphik wie folgt:
Wie besprochen, müssten die beiden Stemmas bei o.g. Wort ἔχαιρον (“sie freuten sich”) statt richtig:
ἔχαιρεν korrigiert werden. Ansonsten liefern beide einen prima Überblick, der aber auch auf Stichhaltigkeit
hin überprüft werden muss. Parallelen in der gr. LIteratur zeigen eine andere Verwendung wie, wie wir in
genauer Durchsicht erkennen müssten.
Der Satz in Apg 13,48 im Detail
Ἀκούοντα δὲ τὰ ἔθνη ἔχαιρεν καὶ ἐδόξαζον τὸν λόγον τοῦ κυρίου καὶ ἐπίστευσαν ὅσοι ἦσαν τεταγμένοι εἰς
ζωὴν αἰώνιον· „Als die Völker aber hörten, freuten sich und priesen das Wort des Herrn und glaubten, so
viele bestimmt waren zum ewigen Leben.
1) Analyse: Erster Teil des Satzes (unterstrichen)
Der Satz beginnt mit Ἀκούοντα („als sie hörten“) einen vor den Hauptsatz vorgelagerten Nebensatz. Das
Prädikat „hören“ bezieht sich auf die Verkündigung des Wortes Gottes durch Paulus und Barnabas. Die
zuhörenden Juden hatten es abgelehnt. Dann wenden sich die Prediger an die zuhörenden Heiden. Im Vers
davor ist die Kernaussage, dass die Juden, indem sie das Evangelium ablehnten, sich selbst des ewigen
Lebens für unwürdig erachten. Damit ist die Predigt des Evangeliums nicht zu Ende, sondern richtet sich an
die Zuhörer aus den Heiden. Diese hören nun vom Heil in Christo.
Die Partikel δὲ (“aber”) zeigt eine Änderung der Zuhörerschaft, die vorigen Zuhörer, nahmen das Wort nicht
an, die Juden, nun, ändert es sich, als Zuhörer aus den nichtjüdischen Völkern, d.h. den Heiden vernahmen,
dass das Heil auch für sie zugänglich wäre, begannen sie sich zu freuen und das Wort des Herrn zu loben
und sie glaubten.
Mit τὰ ἔθνη (“die Völker)” gebraucht Lukas ein Stilmittel: Es waren sicher nicht alle Menschen der ganzen
Erde bei der Rede anwesend, Lukas ging e saber darum, dass Juden nicht glaubten, Heiden aber doch.
Damit nennt Lukas die Gesamtheit, obwohl nur sehr geringe Teile davon anwesend sind. Dies bezeichnet
man als Totum pro parte (d.h. das Ganze steht für den Teil). Lukas generalisiert und nimmt die Anwesenden
als Repräsentanten für die Heiden als Ganzes. Die anwesenden Juden zu vor, hatten alle repräsentiert.
Damit wird der allgemeine Übergang vom Evangelium weg von den Juden und hin zu den Heiden anhand
von Repräsentanten deutlich.
Der Prädikat im Hauptsatz besteht zunächst aus eine Reihe von mehreren Verben im Imperfekt: ἔχαιρεν καὶ
ἐδόξαζον τὸν λόγον τοῦ κυρίου („freuten sich und priesen das Wort des Herrn“). Das Imperfekt zeigt, das
Einsetzen einer dauerhaften Freude an und auch das Lob auf das Wort des Herrn war dauerhaft. Was sie
freute, was, dass auch sie als Heiden nun zum Heil kommen konnten, das zitierte Wort Gottes wurde daher
gelebt. Mit καὶ ἐπίστευσαν („und sie glaubten“) kommt ein drittes Prädikat im Aorist, nicht wie die vorigen
im Imperfekt vor. Diese Abfolge (Imperfekt und Imperfekt und Aorist) ist erstaunlich, d.h. eine Reihe von
Verben auf das selbe Subjekt (hier: die Völker bezogen). Daher suchen wir mit folgender Suche im
BibelWorks eine Parallelstelle dafür:
Für die Abfolge erscheint zwar mit Mark 6.56 ein interesanter Vergleichsvers, der helfen könnte, allerdings
ist die Lesart von Nestle-Aland nicht ursprünglich und wir wiederholen für das NT die Suche (in der
Graphical Search Engine alles markieren und in Edit: „Change version of the selected objects“) und erhalten
(da wir das Verb εἰμί („sein“) der Übersicht halber in der Word Box abgeschaltet haben, vgl. Bild), dann im
NT zwei Treffer:
Die Frage, wie Apg 13.48 zu verstehen ist (Imperfekt-Imperfekt-Aorist: im Griechischen und Deutschen
mariert) sehen wir analog zu Luk 16.1: Ἔλεγεν δὲ καὶ πρὸς τοὺς μαθητὰς αὐτοῦ, Ἄνθρωπός τις ἦν
πλούσιος, ὃς εἶχεν οἰκονόμον· καὶ οὗτος διεβλήθη αὐτῷ ὡς διασκορπίζων τὰ ὑπάρχοντα αὐτοῦ. „Er sprach
aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein gewisser reicher Mann, der einen Verwalter hatte; und dieser
wurde bei ihm angeklagt, als verschwende er seine Habe“. Der Mann war dauerhaft reicht, nicht nur kurze
Zeit, hatte auch dauerhaft einen Verwalter. Das zeigen die Imperfektformen. Irgendwann passiert aber
punktuell ein Ereignis, das im Aorist steht: Eine Anklage trift bei dem Reichen über den Verwalter ein. Also
die permanent anhaltenden Zustände (Imperfekt) werden durch ein singuläres Ereignis (Aorist)
unterbrochen. Genauso ist es in Apg 13.48 die dauerhaft einsetzende Freude und das Lob bei den Zuhörern
aus den Heiden. Auf dem Hintergrund kommt es zu einzelnen Bekehrungen, d.h. dass punktuell Heiden zum
Glauben kommen. Bekehrung und Glaube ist an einem Punkt im Leben fest zu machen: Zuvor lebte man
ohne Christus, an einem Punkt im Leben bekehrt man sich zu Christus, und dann setzt man sein Leben mit
Christus weiter fort. So war es auch bei denen, die damals der Predigt zuhörten. Allerdings ist dieses eine
Beispiel nicht auf das gleiche Subjekt bezogen wie in Apg 13.48, denn zunächst ist vom Reichen die Rede,
dann bezieht sich die Anklage auf den Verwalter. Eine Parallele in der Hinsicht, also dass die Kette
Imperfekt-Imperfekt-Aorist auf ein und dasselbe Subjekt zu beziehen ist, gibt es in der Form nicht mehr.
D.h. ἔχαιρεν καὶ ἐδόξαζον τὸν λόγον τοῦ κυρίου καὶ ἐπίστευσαν hat Folgende Besonderheit: Das Subjekt
(“die Völker”) wird erst mit einm Verb im Singular aufgegriffen: ἔχαιρεν (wtl. “er freute sich”), d.h. die
Heiden bzw. Völker werden in ihrer Gesamtheit gesehen, dann wechselt der Numerus in den Plural: “sie
freuten sich und sie glaubten”. Daher rückt daserst Prädikat im Singular näher zu den Heiden als Ganzes
und die Prädikate im Plural zeigen die einzelnen darin, die das Wort lobten und sich bekehrte bzw.
glaubten.Der Blick geht also von der Freude der zuhöhrenden Heiden als Ganzes zum Lob und Glauben,
wobei nicht das Kollektiv, sondern die Vielzeil der Individuen im Vordergrund stehen.
Bei der Übersetzung im Hauptsatz von τὰ ἔθνη mit (“die aus den Völkern”) wäre zu beachten, dass τὰ ἔθνη
später durch ὅσοι („so viele“) zahlenmäßig eingeschränkt wird, sodass man zunächst auf eine Untergruppe
und Reduzierung mit „die aus den“ verzichten sollte, u.a. darum, da das ja nicht so dasteht. Wenn Lukas das
zum Ausdruck hätte bringen wollte, würde er es wie in Apg 26.17 tun: ἐκ τῶν ἐθνῶν (“aus den Völkern”),
den die Hörer aus den Völkern werden später restringiert.
1) Analyse: Zweiter Teil des Satzes (unterstrichen)
Ἀκούοντα δὲ τὰ ἔθνη ἔχαιρεν καὶ ἐδόξαζον τὸν λόγον τοῦ κυρίου καὶ ἐπίστευσαν ὅσοι ἦσαν τεταγμένοι εἰς
ζωὴν αἰώνιον· „Als die Völker (es) nun hörten, freuten sich und priesen das Wort des Herrn und glaubten,
so viele bestimmt waren zum ewigen Leben.
Eine Suche nach einem Verb im Aorist und dem Pronomen ὅσος, zeigt, dass das Subjekts im Nominativ
einmalig in Apg 13.48 im Nominativ ist bzw. nachgetragen bzw. genauer beschrieben wird, sonst wird damit
ein Objekt im Akkusativ aufgegriffen, z.B. Gen 34.29 διήρπασαν ὅσα τε ἦν ἐν τῇ πόλει („sie plünderten
alles, was in der Stadt war):
Wir müssen also Parallelen außerhalb der Bibel suchen und rufen TLG (Thesarus Linguae Graecae) auf und
suchen die selbe Aoristendung, gefolgt von Pronomen wie in Apg 13.48 (Suche also hier: „*σαν ὅσοι“). Wir
erhalten in der Literatur viele Treffer, z.B.:
Dafür liegt nur eine englische Übersetzung im Netz vor
(http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Dionysius_of_Halicarnassus/11B*.html).
Der Kontext setzt an einer Rede an das Publikum an. Der Satz würde auf Deutsch lauten:
„Als sie das aber hörten, alle, die neutral waren und bereit, Fürsprecher zu sein für diejenigen, die sich für
die Gerechtigkeit einsetzen, hielten ihre Hände dem Himmel hin“. Zunächst kommt also das Prädikat und
dann eine Nacht zum Prädikat, das mit ὅσοι („alle, die oder soviele“) nachgetragen wird. Also, da das
Bezugswort nicht gleich gesagt wird, bzw. die Kennzeichen des Subjekts „sie“, wird dies nachgereicht. Das
implizite Subjekt, d.h. in Apg 13.48 „sie, die glaubten, werden als zum ewigen Leben bestimmt“, im
Nachtrag näher beschrieben. Da der Glaube bereits vorhanden ist, ist es eine Beschreibung von Gläubigen.
Und alle Gläubige sind zum ewigen Leben von Gott bestimmt. Somit könnte man auch wie im Bsp. oben
ὅσοι („alle die (die glaubten)“ etc.) wie im Text oben als Subjekt des letzten Satzes machen: „Alle, die (d.h.
die glaubten) waren zum ewigen Leben bestimmt“). Oder man fasst den letzten Satz als Nachtrag und
Beschreibung der Gläubigen Heiden auf.
Nicht möglich ist, dass es sich um Ungläubige handelt, den vom Glauben derer ist ja die Rede. Diese
Gläubigen werden aber näher gekennzeichnet: Sie sind oder waren von Gott zu ewigen Leben bestimmt.
D.h. Gott hatte beschlossen, dass alle, die an Jesus und sein Opfer glauben, ewiges Leben bekommen. Das
war bei den Heiden hier der Fall, sie hörten, freuten sich und glauben und so erhielten sie das ewige Leben.
Ungläubige sind nicht zum ewigen Leben bestimmt, sondern, dass sie sich bekehren, daher kann keine
Auswahl bestimmter Ungläubiger gedacht sein, der zum Glauben auserwählt ist, und dann darauf zum
ewigen Leben. Das bringt den Satz völlig durcheinander, da nicht die Rede von einer Auswahl zum Glauben
ist, da Gott will das alle, d.h. ohne Auswahl oder Einschränkung, d.h. keiner ist da, für den es nicht so wäre,
Menschen gerettet werden. Die gerettet sind, sind aber auf der Grundlage des Glaubens, zum ewigen
Leben von Gott bestimmt. Richtig ist: Predigt – Glaube –Bestimmung zu ewigen Leben. Falsch: Bestimmung
zum ewigen Leben – Predigt Glaube. D.h. die Predigt geht an alle, alle sollen und können glauben, keine ist
ausgeschlossen und wer glaubt, hat die Verheißung und kann so beschrieben werden, dass er bestimmt ist,
ewigen Leben zu haben.
Das Pronomen ὅσοι leitet dann erst später eine Untergruppe derjenigen Heiden ein, die das Wort Gottes
hörten, die die glaubte („wie viele der Heiden waren zum ewigen Leben bestimmt? Alle, die glaubten!“,
also in dem Sinne, dass nicht alle Heiden glaubten, aber die glauben, werden als zum ewigen Leben
bestimmt bezeichnet (Nicht zu glauben bestimmt, der vor dem ewigen Leben steht. Dazu ist wenn
überhaupt, jeder bestimmt und der Befehl geht an alle, Apg 19,30). „So viele“ codiert ja eine Zahlenangabe,
z.B. „. Das illustriert ein Beispiel, das wir im TLG (Thesaurus Lingae Graecae) finden (Joannes
Chrysostosmus, de paenitentia (homiliae 1-9) 49.294,17: “Οἱ πτωχοὶ, οἱ πρὸς τὴν ἐλεημοσύνην
καθεζόμενοι πρὸ τῆς ἐκκλησίας. Καὶ πόσου; Ὅσου θέλεις“· Wie viel Geld hast du noch am Konto? So viel,
dass es den Monat über noch reicht“.
Eine alternative (zweitbeste) Deutung ist in den u.g. Kommentaren zu finden, d.h. „bestimmt“ wird hier als
Medium gesehen, d.h. eine Medium zeigt, dass das Subjekt an sich selber handelt, dies ist in dem Fall
plausibel, denn im Satz davor, hielten sich die Juden nicht selbst für das ewige Leben für würdig. Hier wäre
dann (beim Medium). Dies versucht Jantzen in Worte zu packen: „so viele zum ewigen Leben eingestellt
worden waren“. Beim Medium wäre noch ein Rückbezug auf das Subjekt nötig, etwa „so viel sich zum
ewigen Leben verordnet/bestimmt hatten“.
Eine dritte Möglichkeiten ist, wenn man bei der Übersetzung wie folgt bleibt “Als aber die aus den Nationen
es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn; und es glaubten, so viele ihrer zum
ewigen Leben verordnet waren“. Diejenigen, die glauben, sind aufgrund der Vorkenntnis (Nicht
Vorbestimmung) Gottes, dass sie an diesem Tag glauben würden, aufgrund ihres Glaubens von Gott zum
ewigen Leben vorherbestimmt. Auch ist das Heil offen für alle, von wem Gott aber sieht, dass er glauben
würden, dem gilt die Verheißung des ewigen Lebens, und da Gott bereits wusste, welche Heiden glauben
würden, hat er aufgrund des Glaubens, denen die Christus annehmen, ewiges Leben verheißen.
Kommentare
Diese Kommentare wollen belegen, dass „bestimmen“ hier reflexiv ist, wie im Satz davor, die Juden sich
selbst nicht würde hielten, das ewige Leben zu haben. Die Option ist nicht von der Hand zu weisen:
Images of Salvation in the New Testament, Brenda B. Colijn, 2010, ISBN 978-0-
8308-3872-1, Printed in Canada, S. 224, 225:
„A possibly similar word, tetagmenoi, occurs in Acts 13:48. After Paul and Barnabas had preached at
Pisidian Antioch, „as many as had been destined [tetagmenoi] for eternal life became believers.“ The word
tetagmenoi is the perfect middle or passive participle of tasso, which means to place or station or appoint
or classify. [Fn.: „´tasso,` in BAGD, pp. 805-6.“] Some read this instance of the word as a divine passive:
those whom God had previously appointed to eternal life became believers at this time. By contrast,
reading tetagmenoi as a middle would mean that the persons in question positioned themselves for eternal
life. Most English translations (like the NRSV above) opt for the passive. Even as a passive, however, the
word need not imply divine selection to salvation. The BAGD lexicon renders the word in Acts 13:48 as a
passive with the sense of „belong to, be classed among those possessing.“ [Fn.: „Ibid., p. 806. The Autors
list the verse under definti on 1b along with 1 Corinthions 16:15 (´they have devoted themselves [etaxan
heautous] to the service of the saints`].“ In this view, those who belonged to eternal life became believers.
The reason for their „belonging“ is not stated.
The Grace of God, the Will of Man: A Case for Arminianism, Clark H. Pinnock,
1989, S. 227 (Artikel von William G. MacDonald: The Biblical Doctrine of
Election):
„The traditional understanding of a ´divine passive` for tetagmenoi makes an interpretation of determinism
inevitable. The entire verse in the NIV reads this way: ´When the Gentiles heard this, they were glad and
honored the word of the Lord; and all who were appointed for eternal life believed” (Acts 13:48). If all that
was available to us were this English translation, we might deduce that God alone fully determined this
event and that the principals were no more than chessmen being moved about on life´s board by the divine
player. The key word that is misunderstood in this context is tetagmenoi, perfect middle or passive
participle from tasso.
Before exploring the meaning of tasso here, a brief examination must be made of the context. As a prelude
to his quoting Habakkuk 1:5, Paul warned, ´Take care that what the prophets have said does not happen to
you` (Acts 13:40).There is no hint of determinism in such an admonition. The passage that follows points up
their recalcitrant unbelief. Such perfidy was foreknown, all right, but it was not a phenomenon for which
God was responsible. For right here everyone is being called to faith, and all hearers can ´take care` to
avoid a personal disaster. The story continues: after many Jews followed Paul and Barnabas as believers,
the masses of the remaining Jews were filled with jealousy against them and bad-mouthed them the
following Sabbath, when ´almost the whole city gathered.` Thereupon Paul announced, ´We had to speak
the word of God to you first. Since you reject it and do not consider yourselves worthy of eternal life, we
now turn to the Gentiles` (Acts 13:46).
Now we get the scene. The Jews were turning up their noses at ´eternal life,` and the God-fearing Gentiles
were moving in to receive that eternal life God was offering freely. The verb tasso means to ´appoint` in the
literal sense of ´put in a position for,` or ´order,` ´determine.` The voice of the perfect participle as we have
noted is ambiguous; tetagmenoi is best construed in this context to be middle voice. The disputed sentence
(Acts 13:48) would look like this when the setting is fully honored and a divine passive is not read into it:
´When the Gentiles heard this, they gloried in the Lord´s Word, and as many as were putting themselves in
a position for eternal life believed.`”
The context of Acts 13:48 seems to militate against reading tetagmenoi as a divine passive. Paul and
Barnabas have been preaching the gospel in Pisidian Antioch for over a week and have encountered
opposition from some of the Jews. As they address the crowds on the second Sabbath, they declare that
since the Jews are rejecting the gospel, they will turn to the Gentiles. A clear contrast ist drawn between
the Jews who „reject“ the word of God and „judge [them]selves to be unworthy of eternal life“ (Acts 13:46)
and the Gentiles who „were glad and praised the word of the Lord“ (Acts 13:48). Unlike the Jews, these
Gentiles have taken Paul´s message to heart and are ready to respond to the gospel. The emphasis on
human volition for both Jews and Gentiles makes it unlikely that the narrator would say in Acts 13:48 that
God had predetermined who would believe. The best translation of Acts 13:48 might be something like „as
many as were positioned for eternal life becam e believers.“ This rendering opts for the passive (suggested
by esan tetagmenoi) but makes room for the confluence of divine and human agency (the preaching of the
gospel and the receptivity of the audience) that is suggested by the context. [Fn. „See also the discussions
in I. Howard Marshall, The Acts of the Apostels: An Introduction and Commentary, Tyndale New Testament
Commentaries, ed. R. V. G. Tasker (Grand Rapids: Eerdmans, 1986), pp. 230-31; Robert Shank, Elect in the
Son: A Study of the Doctrine of Election (Minneapolis: Bethany House, 1989), pp. 183-88; and Mac Donald,
„Election,“ pp. 226-28.]