Suchen in Bibleworks am Beispiel von Johannes 4
Arbeiten mit Bibleworks am Beispiel von Johannes 4,18
Oder: Trieb die Frau Hurerei oder Ehebruch?
Ein Tutorial Allgemeines
Wer sich zum Herrn Jesus bekehrt hat, interessiert sich für sein Wort. Damit kommt man automatisch auf Computerprogramme wie Bibelworks, die dies in Präzision und Genauigkeit ermöglichen, wie es in der Geschichte der Christenheit bis dato nicht möglich war. Man kann konkrete Fragen per Knopfdruck beantworten bzw. wenn man etwas Übung damit hat, die Fragen richtig zu stellen und dem Computer beizubringen, aber auch auszuwerten. Ziel der Arbeit, ist es, anhand einer konkreten Fragestellung , den Umgang mit dem Programm BibleWorks (andere Tools funktionieren nach analogen Prinzipien und wer eines verstanden hat, kommt mit anderen Programman auch zurecht, daher ist diese Anleitung auch für Nutzer anderer Programme hoffentlich nicht ungeeignet).
Fragestellung: Was war die Sünde der Frau in Joh 4,18?
In dem Gespräch mit der Frau am Brunnen trifft der Herr Jesus in Joh 4,18 folgende Aussage: „Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Das hast du richtig gesagt!“ Wenn man nur eine deutsche Übersetzung liest, bleibt die Frage offen, ob die Frau unverheiratet mit einem Mann zusammenlebt (Paraphrase: der Liebhaber ist nicht dein MANN, sondern dein FREUND/HURER. D.h. die Frau lebt in der Hurerei, weil ein Zusammensein von Mann und Frau ohne Ehe Hurerei ist) oder ob die Frau sogar im Ehebruch lebt (Paraphrase: der Liebhaber ist ja gar nicht DEIN Mann, sondern der Mann einer ANDEREN Frau). Diese Fragestellung ist sehr spezifisch und geht bewusst in Details, auch der Sprache, damit auch alle anderen Fragen dieser Art, wenn das Prinzip damit klar ist, entschieden werden können.
Vorüberlegungen, wie die die Frage zu beantworten ist Man hofft, dass diese Frage sich recht eindeutig beantworten lässt. Man würde ein gutes Bibelprogramm benötigen und ein gewisses Grundinteresse an der Sprache, in der Gott sein Wort inspiriert hat, das ist Griechisch. Und auf Griechisch lautet der Satz, den der Herr Jesus in Johannes 4.18 sprach: πέντε γὰρ ἄνδρας ἔσχες, καὶ νῦν ὃν ἔχεις οὐκ ἔστιν σου ἀνήρ · τοῦτο ἀληθὲς εἴρηκας. Die Frage entscheidet sich, ob man erkennen kann, ob σου ἀνήρ („dein Mann“), also die Kombination des Pronomens „du“ (hier im Genitiv, also „Dein“) mit dem Nomen „Mann“ in der vom Herrn vorgetragenen Art das Pronomen „dein“ betont oder nicht. Für die Aussprache würde es je nach Ergebnis notwendig sein, „dein“ zu betonen oder in der Schreibung „dein“ zu unterstreichen oder gesperrt zu drucken, damit der Leser erkennt, ob der Herr Jesus das Pronomen betont oder nicht. Warum ist der Unterschied der Betonung, das worum es geht, wenn man die Frage beantworten will? Weil die Betonung von „dein“ (Paraphrase: Deiner ist es nicht) beinhaltet, dass es, wenn der Liebhaber nicht der Mann der angesprochenen Frau ist, dass er mit einer andern Frau verheiratet ist (Paraphrase und Folgen: Wenn es nicht DEIN Mann ist, wessen Mann ist er dann? Warum bist DU bei ihm und nicht SEINE Frau. Du bist nicht seine Frau und er hat eine Ehefrau. Bitte trenne dich von dem Mann einer anderen Frau).
Angenommen es handelt sich um ein Zusammenleben in der Hurerei, ohne, dass die Frau notwendigerweise ein Verhältnis mit dem Mann als Verheiratetem hat, müsste der Heiland das Pronomen „deiner“ unbetont lassen, nicht hervorheben und in der Aussprache und der Schreibung dürfte keine Hervorhebung vorhanden sein (Paraphrase: Er ist gar nicht dein MANN, er ist dein FREUND. Du lebst in der Hurerei, weil ihr bis dato nicht geheiratet habt. Ihr solltet heiraten, wenn ihr nicht in Sünde leben wollen).
Wir wollen also wissen, ob σου ἀνήρ lautet: „er ist nicht DEIN Mann“ oder „er ist nicht dein MANN“. Da wir den Text geschrieben vorliegen haben, kann die Betonung des Herrn Jesus nur in der schriftlich vorliegenden Form deutlich werden.
Operationsalisierung der Frage in BibleWorks
Da wir zunächst vielleicht σου ἀνήρ („dein Mann“) nicht einschätzen können, ob es „DEIN Mann“ oder „dein MANN“ zu betonen ist, suchen wir nach Vergleichen in Gottes Wort, die klar und eindeutig sind. Wenn wir diese gefunden haben, dann können wir im Analogieschluss sagen, dass es in Joh 4.18 genauso sein muss. Wir programmieren BibleWorks also, dass wir für beide Varianten, sagen wir einfachheitshalber, für die erste Variante Ehebruch (E) und die zweite Hurerei (H), Vergleichsstellen finden, auswerten und die Frage beantworten.
Zur doppelten Beweisführung sehen wir uns erst Stellen an, die E entsprechen, d.h. Stellen, wo das Pronomen wie DEIN betont ist, dann müsste H falsch sein. Dann geht es um Stellen, die H entsprechen, d.h. das Nomen wie hier MANN betonen, dann ist E falsch. Vielleicht ahnen wir bereits, dass es zwei Möglichkeiten gibt, wie ein Pronomen wie DEIN und eine Nomen wie MANN kombiniert werden und vielleicht gibt uns das die Lösung. Und genau so ist es! Daher suchen wir in BibleWorks Muster mit: Pronomen-Nomen (PN) oder Muster mit: Nomen-Pronomen (NP). Dann sehen wir, was jeweils betont ist: Das Pronomen (P) oder das Nomen (N). D.h. was wäre, wenn der Herr Jesus die Wortfolge anders gewählt hätte und statt σου ἀνήρ (PN) gesagt hätte ἀνήρ σου (NP)?
Die Antwort wäre dann: Betont die Abfolge PN das P, also DEIN (oder ein anderes P), dann ist die Variante E richtig (Ehebruch). Betont die Abfolge PN das N, also MANN, dann ist die Variante H (Hurerei) richtig.
Praktische Durchführung
Der Satz entspricht dem Muster: A ist (nicht) B, d.h. der, den du jetzt hast (=A), ist (nicht) dein Mann (B). Der Teil A ist das Subjekt, also die Größe, die bekannt ist und von der der Herr Jesus ausgeht (fachsprachlich: Topic oder Thema): Der jetzige Mann. Dann bemüht der Herr ein Verb, dass A mit B gleichsetzt, das kann man Kopula nennen („ist“). Mit B nennt der Herr, die Größe, die er A zuschreibt bzw. womit er ihn identifiziert: „Dein Mann“ (fachsprachlich: Comment oder Rhema). Für die Fragestellung ist es nicht erheblich, ob das Prädikativ (Rhema, Comment: „dein Mann“) verneint ist wie hier oder nicht, man kann davon ausgehen, dass dies die Betonung nicht direkt beeinflusst. Es ist immer gut, wenn man davon ausgeht, was man hat und wir rufen in BibleWorks den Vers in Joh 4,18 auf und versuchen analoge Muster wie hier im Eingabefeld links in BibleWorks zu programmieren:
Voreinstellung der geeigneten Datenbank – Wahl des griechischen Textes:
Es muss eine morphologisch codierte Suchversion eingestellt sein (BYM, BNM für das Neue Testament, also Robinsonr-Pierpont oder notfalls Nestle-Aland bzw. STM für den Textus Receptus bzw. BGM für die Septuaginta). Mit BGM kann man also auch die Septuaginta durchsuchen, sie hat jedoch den Nachteil, dass im Neuen Testament, der für Christen ungeeignete griechische Text von Nestle-Aland angezeigt wird. Man kann die Septuaginta in BibleWorks leider nur so kombiniert mittels BGM durchsuchen. Will man also das AT mit einbeziehen, sollte man BGM in das Eingabefeld eintippen
Das Kürzel „M“ bei den o.g. Versionen zeigt an, dass diese griechischen Texte morphologisch codiert sind, d.h. dass jedes einzelne Wort mit der gesamten morphologischen Information bestückt ist. Dies ist für unsere Suche nötig, denn wir wollen Nomen aller Art, Pronomen aller Art und die Kopula in allen Formen, damit wir das Muster nachbilden, das wir in Joh 4, 18 haben. Daher sind die Versionen BYZ, BGT, STE (nicht codiert) ungeeignet.
Um die Suche nach dem vorliegenden Muster zu gestalten, sehen wir uns den Satz in Bibleworks an:
Wir sehen bereits die Notwendigkeit ein, eine morphologisch codierte Datenbank wie BGM haben zu müssen, da diese in nicht-codierten Texten wie Byz nicht möglich wäre, d.h. man könnte nicht nach Nomen etc. suchen, sondern nur danach, wie es direkt im Text steht.
Nachmodellierung des Textes aus Joh 4,18 für analoge Muster
Wir wollen nun den Spezialfall in Joh 4,18 verallgemeinern, um Parallelstellen zu erhalten. Dazu müssen wir die Kennzeichen verallgemeinern, z.B. das konkrete Vorliegen von ἀνήρ („Mann“) in dieser Stelle als Nomen (Substantiv) verallgemeinern, um Stellen zu bekommen, die parallel sind und ebenfalls an der letzten Stelle ein Nomen aufweisen, egal welches Wort. Dazu entscheiden wir, welches Kennzeichen uns wichtig ist und welches man offen lassen kann. Für die Frage war die genaue Abfolge wichtig also benötigen wir eine Suche nach einer exakten Reihenfolge.
Die folgenden Schritte erscheinen anfangs und für ungeübte User evtl. mühsam, aber die Mühe lohnt sich, denn wenn das Prinzip verinnerlicht ist, hat man den Schlüssel für alle eigenen Suchen aller Art, daher erfolgt eine etwas ausführlichere Beschreibung, damit auch unerfahrenere Nutzer möglichst die Notwendigkeiten nachvollziehen können, um später selber solche Suchen durchzuführen. Es geht auch darum, anhand dieses Beispiels, Grundsätze und Muster zu erkennen, um dann in Eigenregie jede beliebige andere Eingabe und Suche zu gestalten.
Eingabe des gewünschten Suchmusters aus Joh 4,18 in Bibelworks
Voreinstellungen im Programm
Nach unseren Vorüberlegungen suchen wir also nach dem Muster in ἔστιν σου ἀνήρ, d.h. der Abfolge Verb-Pronomen-Nomen(VPN). Für das Verb legen wir uns auf die Kopula εἰμί („sein“) fest, die im Text in der Form ἔστιν („er ist“) erscheint (um die spätere Treffermenge gering zu halten und möglichst analoge Beispiele zu bekommen), gefolgt von Pronomen wie σου („dein“) und Nomen wie ἀνήρ („Mann“) und geben die Suche entsprechend ein. Da wir in Griechisch arbeiten, ist die Eingabe in BibleWorks auf Griechisch (um zwischen den Zeichensätzen Deutsch und Griechisch zu wechseln, hält man die Windows-Taste gedrückt und wählt mit der Leer-Taste die Sprache aus, in der man schreiben will). Wer dies nicht gewohnt ist, kann in BibleWorks eine eigene Hilfe dazu aufrufen und auf das Icon mit der Tastatur klicken:
In der Rubrik „Language“ (Sprache) kann man für unsere Zwecke „Greek“ (Griechisch) auswählen. Die Tastatur wird damit auf Griechisch gestellt. Sehr wichtig auch für Anwendungen, bei denen man Hebräisch schreiben will (Auswahl dann: Hebrew).
Ebenfalls erleichtert das Einschalten der für den Code erforderlichen Zeichen die Arbeit, da manche Zeichen wie der Hochpunkt, schlecht auf der Tastatur zu finden sind:
Das Eingabefeld: Grundsätzliches
Wir wollen dem Computer nun beibringen, was wir von ihm wissen wollen. Das sind analoge Muster, die Joh 4,18 entsprechen. Für Neueinsteiger können einige Neuigkeiten dabei sein, die für langjährige Nutzer fast automatisch ablaufen. Für unerfahrene Nutzer erscheint eine ausführlichere Darstellung hiermit sinnvoll.
Wie besprochen, wollen wir das Muster von ἔστιν σου ἀνήρ aufrufen, um Parallelstellen zu haben, die uns klar machen, wie wir Joh 4,18 verstehen sollen. Sehen wir uns die Eingabe genauer von links nach rechts an, wobei Neueinsteiger natürlich zunächst gar nichts genau interpretieren können müssen, die Details kann man Schritt für Schritt nachvollziehen:
Da wir nach drei Wörtern suchen, die dem Muster in ἔστιν σου ἀνήρ entsprechen, erkennen wir bereits drei Einheiten: εἰμί dann *@r?g* dann *@nn*. Davor steht der Hochpunkt.
Jede Suche beginnt mit einem der ersten drei Zeichen unter dem Eingabefeld: Punkt, Querstrich oder Hochstrich (d.h. eine Und/Oder/Abfolge-Suche). Unser Anliegen ist eine genaue Reihenfolge zu erzeugen, nämlich die in Joh 4,18.
Die Eingabe unserer Suchanfrage im Detail
Wie im Deutschen ist die Eingabe von links nach rechts zu lesen. Dabei erkennen wir:
Hochpunkt = wir suchen nach der exakten Reihenfolge der folgenden Wörter und nicht Fälle, wo die Wörter irgendwo im Satz stehen, egal in welcher Reihenfolge (dafür nähme man den Punkt zu Beginn der Eingabe)
εἰμί = wir suchen die Kopula „sein“, da diese in Joh 4,18 den Anfang dessen bildet, was wir suchen: ἔστιν („er ist“) σου ἀνήρ. Da nach Lemmas (d.h. den Einträgen wie sie im Wörterbuch stehen) gesucht wird, dann die genaue Form dazu mitgeteilt wird, suchen wir nach den Grundwörtern. Wenn die Grundform unbekannt ist, kann man diese in codierten Texten erkennen, gefolgt vom morphologischen Code:
In der Version BYZ ist der Text so zu lesen, wie er in Gottes Wort steht, d.h. ohne weitere Angaben. Bei codierten Ausgaben wie BYM sieht man erst das Grundwort, das Lemma, d.h. nicht flektiert bzw. konjugiert oder dekliniert, d.h. in der Grundform vorliegen. Die Form schließt sich an das @-Zeichen an und wird mit Buchstaben abgekürzt, d.h. jeder Buchstabe nach dem @-Zeichen steht für eine grammatische Angabe, z.B. ob das Lemma ein Verb ist. Diese Angaben muss man nicht auswendig können, da BibleWorks sie anzeigt. Wichtig ist nur das Prinzip, denn nach diesem läuft auch die Suche nun ab.
* = Platzhalter für alle Wörter, die dann aber mit dem Code eingeschränkt werden. Es können alle Lemmas (vgl. Einträge im Wörterbuch) als Treffer erscheinen.
@ = Eingabe des Codes; BibleWorks weiß nun, dass morphologischer Code folgt.
r=Pronomen; Damit schließen wir Nomen, Adjektive und andere Wortarten aus: Wir wollen nur: ich, du, er sie es, wir, ihr sie. BibleWorks bietet eine optimale Eingabehilfe, wenn man die Abkürzungen nicht kennt:
Man ist also auf der Ebene der Wortarten (Nomen, Verben etc.). Da der zweite Bestandteil der Suche ein Pronomen ist (ἔστιν σου ἀνήρ) geben wir die Abkürzung „r“ dafür ein.
? = mit dem Fragezeichen lassen wir die genaue Art des Pronomens offen, es können alle Arten erscheinen: Indefinitpronomen, Possessivpronomen etc. Darunter fällt das Personalpronomen σου („dein“) in Joh 4,18. Man kann im Menü die Abkürzungen anklicken und wenn man diese Angabe offen lassen will, ein Fragezeichen anwählen:
G=Genitiv, also die Antwort auf die Frage „wessen?“, d.h. wir erwarten „mein, dein, sein, unser, euer, ihr“; Man könnte den Kasus auch offen lassen und ein Fragezeichen setzen, allerdings wollen wir nicht zu viele Treffer und möglichst nur die, die mit dem Ausgangsvers in Joh 4 genau übereinstimmen. Wenn die Treffer zu wenige wären, könnte man hier einen Platzhalter einsetzen. Auch hier liefert BibleWorks die Alternativen:
* = Platzhalter für alle weiteren Angaben, ob das Pronomen männlich, weiblich oder Neutrum ist. Für unsere Frage interessiert es uns nicht.
*@nn* geben wir als Entsprechung für das letzte Wort im Mustervers ἔστιν σου ἀνήρ ein. Wir suchen also nach allen Wörtern (*) mit dem Code (@) Nomen (n) im Nominativ (n), da ἀνήρ („Mann“) ebenfalls eine Nomen im Nominativ ist.
Zusammenfassung zur Sucheingabe
Unser Anliegen war eine für Joh 4,18 analoge Suche in BibleWorks einzugeben. Wir wählten mit dem Hochpunkt am Anfang, dass wir eine exakte Reihenfolge (Phrase) aufrufen wollen, da diese für unsere Frage entscheidend ist, denn es ging darum, ob der Unterschied in der Abfolge σου ἀνήρ oder ἀνήρ σου, d.h. ob das Pronomen vor dem Nomen oder danach steht, eindeutig zeigt, ob σου („dein“) oder ἀνήρ („Mann“) betont ist, damit die Frage beantwortet wird, ob die Frau Ehebruch oder Hurerei betrieben hat (E oder H Hypothese). Da wir zum Vers passende Parallelstellen erzeugen wollen, suchten wir nach dem Muster und nahmen die Kopula ἔστιν („er ist“) mit dazu, damit die Trefferzahl geringer wird und die Treffer gut zu Joh 4,18 passen. Wir betrachten die Eingabe noch einmal:
Als Ergebnis erwarten wir also das Muster: εἰμί gefolgt von Wörtern aller Art, die ein Pronomen im Genitiv sind. Als Drittes Glied erwarten wir alle Wörter, die ein Nomen im Nominativ sind. Mit der Return-Taste starten wir die Suche.
Das Ergebnis
Wenn die Eingabe ohne Tippfehler erfolgt ist und mit Return in Gang gesetzt wurde, erscheint binnen kurzer Zeit folgendes Ergebnis:
Oben ist die Sucheingabe zu sehen. Darunter erscheinen Kästchen mit Haken und die Angabe der Bibelstelle und deren griechischer Text. Die Wörter, die die Treffer ausgelöst haben, also die der Suche entsprechen, sind gelb markiert. Die Suche hat, wie unten zu erkennen, 49 Verse in BGM (Septuaginta und Nestle-Aland) erzeugt. Die gesuchte Abfolge erscheint in einigen Versen mehr als ein Mal, daher gibt BibleWorks 52 Treffer an. Die Laufzeit der Suche beträgt 2.29 Sekunden. Als erste Anlaufstelle ist der gewünschte Mustervers Joh 4,18 zu suchen. Ist der Ausgangsvers nicht vorhanden, ist die Suche gescheitert und es werden keine Parallelstellen gezeigt, dann muss die Suche optimiert werden. Man kann nun mit den Pfeiltasten die einzelnen Verse aufrufen und durchgehen. Zur Beantwortung der Fragestellung beschränken wir uns auf das Neue Testament.
Die Auswertung der Ergebnisse
Da wir den Ausgangsvers Joh 4,18 gefunden haben, entsprechen die anderen Treffer diesem Muster bei den angegebenen Kriterien. Beim Durchsehen der Ergebnisse empfiehlt sich immer die Fragestellung im Kopf zu haben und nach Antworten zu suchen. Die Septuaginta enthält auch außerbiblische Beispiele in den Apokryphen. Diese sind nicht immer nützlich zum Lesen und dienen manchmal nur, um grammatische Fragen zu beantworten. Die Septuaginta hat oft den Nachteil, dass sie nur eine Übersetzung des Hebräischen Originals ist und so oft Merkmale hat, die untypisch für Griechische Grammatik sind, einige Apokryphe Bücher scheinen im Original Griechisch gewesen zu sein. Beim Durchsehen stößt man z.B. auf ein außerbiblisches Beispiel, das nicht dem Inhalt nach wichtig ist, sondern nur der Bedeutung für unsere Frage nach. So kann man Judith 11.23 bei den Treffern aufrufen: „καὶ νῦν ἀστεία εἶ σὺ ἐν τῷ εἴδει σου καὶ ἀγαθὴ ἐν τοῖς λόγοις σου ὅτι ἐὰν ποιήσῃς καθὰ ἐλάλησας ὁ θεός σου ἔσται μου θεός καὶ σὺ ἐν οἴκῳ βασιλέως Ναβουχοδονοσορ καθήσῃ καὶ ἔσῃ ὀνομαστὴ παρὰ πᾶσαν τὴν γῆν“. In der deutschen Übersetzung davon heißt es: „Und nun: Du bist anmutig in deinem Aussehen und gut in deinen Worten. Wenn du tust, wie du gesprochen hast, wird dein Gott mein Gott sein, und du wirst im Haus des Königs Nebukadnezzar sitzen und wirst namhaft sein auf der ganzen Erde“.
Dieses Beispiel zeigt die gewünschten Eigenschaften. Dies macht die gelbe Markierung deutlich: ἔσται μου θεός. Die deutsche Übersetzung hilft zur Interpretation. Im Satz davor und in diesem wird klar, dass der Redende vom Gott Israels spricht, der aber noch nicht sein Gott ist. Wenn die Bedingungen erfüllt würden, würde der Gott Israels auch SEIN Gott werden. Da Gott bereits das Thema war, ist es hier nicht betont, betont ist vielmehr die Absicht, dass auch er Gott anerkennen würde und es auch SEIN Gott würde. Damit wäre ein Beispiel vorhanden, das zeigt, dass die Abfolge wie in Joh 4,18 (ἔστιν σου ἀνήρ), die in dieser Stelle ἔσται μου θεός (PN) entspricht, anzugeben scheint, dass das Pronomen und nicht das Nomen in den Vordergrund gerückt werden soll. Damit wäre die Hypothese, dass die Frau am Brunnen eine Ehebrecherin ist, erhärtet, denn die Parallele zeigt, dass der Gegensatz auch dort ist: Nicht nur DEIN Gott soll es sein, sondern auch MEIN Gott.
Aussonderung unpassender Treffer
Im Neuen Testament erkennt man, dass BGM (im NT: Nestle-Aland) eine falsche und nicht ursprüngliche Lesart bezeugt, auch bei den erwünschten Treffern. Z.B. ist dies in Apg 1.8 der Fall, der daher nicht direkt hilfreich für unsere Frage ist (aber später wieder wichtig wird):
Durch die mit Bibleworks mögliche Markierung der Unterschiede in den Texten erscheint diese Stelle als Treffer. Im Grundtext stand jedoch nicht ἔσεσθέ μου μάρτυρες sondern ἔσεσθέ μοι μάρτυρες. Obwohl damit auch eine Betonung des Pronomens angenommen werden kann, was die Hypothese des Ehebruchs in Joh 4,18 bestätigt (Paraphrase: Für mich (und sonst für niemand) werdet ihr Zeugen sein), ist doch der Kasus nicht wie in Joh 4,18. Somit kann man den Vers zwar als Beleg der Annahme heranziehen, aber es gibt präzisere Stellen. Aus anderen Gründen scheiden Stellen wie Römer 5.8 als Bestätigung aus, da die Parallele rein formaler Art ist (Genitivus absolutus).
Optimierung des Ergebnisses
Nachdem wir die Suche optimieren wollen, erscheint es sinnvoll, einen zuverlässigen griechischen Text zu wählen, da wir bei BGM im Neuen Testament den Text von Nestle-Aland nicht vertrauen können. Die Suchsyntax würde man jedoch gerne beibehalten. Dieses Vorgehen kann auch für andere codierte Datenbanken, die bei BibleWorks mitgeliefert werden angewandt werden (JOM, d.h. Flavius Josephus etc.). Wir markieren die Eingabe und kopieren sie in die Zwischenablage (mit der Tastenkombination Strg+C):
Dann wechseln wir die Datenbank von BGM auf BYM, d.h. wir wollen nun nur das Neue Testament, aber nicht den Text nach Nestle-Aland, sondern den nach Robinson-Pierpont, aber mit ein und derselben Suche abfragen. Dazu tippen wir in das Eingabefeld BYM und darauf kopieren wir die Suche in der Zwischenablage in das Eingabefeld (mit der Tastenkombination Strg+V). Nach dem Drücken der Return Taste erhalten wir dieses Ergebnis:
Man sieht die Unterschiede zur Suche in der BGM deutlich und andere Treffer erscheinen. Dies liegt an den Unterschieden in den Lesarten.
Auswertung der optimierten Suche
Im Gegensatz zur vorigen Suche erhalten wir Apg 5.32 nun als Entsprechung zu Joh 4,18:
Die Gegenüberstellung der Übersetzungen zeigt, dass die ELO (Alte Elberfelder) zwei Vorteile gegenüber anderen Ausgaben hat, den sie übersetzt die besser bezeugte, d.h. ursprüngliche Lesart der BYM (des Byzantinischen Textes) und die Übersetzer haben erkannt, dass diese Konstruktion das Pronomen betont. Dies haben sie durch die Kursiv-Setzung beim Pronomen bei “und wir sind seine Zeugen“ deutlich gemacht.
Da wir Apg 1,8 als (indirekte) Bestätigung der Betonung, dass Christen für den Herrn Jesus und sonst niemand Zeugen sind, ist es nicht erstaunlich, dass dies die Apostel hier wieder betonen. Wir sind SEINE Zeugen, wie er es am Anfang selbst gesagt hatte. Dies belegt auch die wunderbare Einheit von Gottes Wort. Dieser Treffer zeigt also deine Betonung des
Pronomens bei PN-Verbindungen.
Gegenprobe
Mit der bisherigen Suche hatten wir nun Beispiele gefunden, die belegen, dass in Joh 4,18 das Pronomen „dein“ hervorgehoben ist. Diese Beobachtung haben wir aufgrund der Knappheit der Darstellung auf wenige Beispiele beschränkt. Diese hat die These H (Hurerei) nicht bestätig, sondern E (Ehebruch). Jedoch war es das Anliegen eingangs, auch zu sehen, wie es lauten müsste, wenn der Herr von Hurerei gesprochen hätte, also wenn These H stimmen würde.
Wir stellen dazu die Abfolge um, d.h. wir überlegen und prüfen, was aus dem Original οὐκ ἔστιν σου ἀνήρ („er ist nicht dein Mann“) werden würde, wenn das Pronomen nicht vor dem Nomen stünde, sondern danach: οὐκ ἔστιν ἀνήρ σου. D.h. wir prüfen, mit einer Modifizierung der Suche, ob es Beispiele gibt, wo dann das Nomen betont wäre (Paraphrase: er ist nicht dein MANN).
Vorgehen
Da wir mühsam eine Suche generiert haben, wollen wir nur die Reihenfolge von Pronomen und Nomen ändern. Dazu markieren wir im Eingabefeld den Code für das Pronomen im Genitiv und schneiden es aus (mittels der Tastaturkombination Strg+X):
Danach fügen wir es am Ende der Suche wieder ein (Strg+V) und starten mit “Return” die Suche. Darauf müsste der Bildschirm so aussehen:
Bei der Durchsicht der Treffer erscheint auch Joh 9.28, insbesondere interessant, da es vom selben Autor, Johannes, stammt wie unser Ausgangsvers. Wir überprüfen die Richtigkeit und sehen die Abfolge: „Ἐλοιδόρησαν αὐτόν, καὶ εἶπον, Σὺ εἶ μαθητὴς ἐκείνου· ἡμεῖς δὲ τοῦ Μωσέως ἐσμὲν μαθηταί“. „Sie beschimpften ihn und sagten: Du bist ein Jünger von jenem. Wir aber sind Jünger von Moses“. Die Pharisäer treten also gegen den Geheilten auf, der Christus bekannte. Sie bringen ihre Verachtung dem Herrn Jesus gegenüber in der Wortwahl und der Syntax zum Ausdruck, denn das Pronomen „jenes“ bezieht sich auf etwas oder jemand, der weit weg ist oder sein sollte, sowohl in örtlicher als auch bedeutungsmäßiger Hinsicht. Im Satz stehen sich „Du“ und „wir“ gegenüber (jeweils explizit genannt). Im Satz davor sagte der Geheilte noch, ob die Pharisäer etwa Jünger des Herrn werden wollten. Darauf versuchen diese sozusagen den Spieß umzudrehen, daher ist das Wort „Jünger“ hier betont, da es darum geht wer, die Pharisäer oder der Geheilte, in Wirklichkeit ein Jünger des Herrn ist. Daher ist durch die NP-Stellung (Nomen-Pronomen) hier auf keinen Fall das Pronomen „jener“ betont, da dies auch nicht zur Bedeutung von „jener“ passen würde. Vielmehr ist das Nomen im Focus, da es um Jüngerschaft geht. Die Stellung von Μωϋσῆς ("Moses") VOR dem Prädikat ist am Ende stark hervorgehoben (Hyperbaton). Damit werten die Pharisäer den Herrn Jesus ab und versuchen Mose für sich zu vereinnahmen.
Zusammenfassung:
Wir versuchten die Frage zu klären, ob die Hypothese (Annahme) E oder H in Joh 4,18 zutrifft, dazu haben wir die Struktur in Joh 4,18 in BibleWorks nachmodelliert und Beispiele gefunden, dass, wenn das Pronomen wie “Dein” vor einem Nomen wie “Mann” platziert ist, dies eine Betonung des Pronomens bewirkt. Damit hat sich E erhärtet. Wir haben dann die Suche so umformuliert, dass das Pronomen nach dem Bezugswort beim selben Verb (“sein” bzw. “er ist”) stehen sollte. Dabei viel auf, dass das Pronomen (wie “dein”) dabei nicht betont ist, ja sogar in einer Stelle in den Hintergrund gerückt wird (“jener”). Das zusammengenommen beantwortet die Frage, dass die Frau, Ehebruch betrieben hat, bevor sie zum Herrn Jesus fand.