
Verfasser: Gott
Schreiber: Johannes
Thema: Vollendung
Datum der Niederschrift: ca. 95 n. Chr.
DIE OFFENBARUNG, das letzte Buch der Schrift, entfaltet die großen Ereignisse, durch welche die Geschichte zur Vollendung geführt wird,
einschließlich die Offenbarung Jesu Christi bei Seinem zweiten Kommen.
Das Wort «Offenbarung», das als Titel des Buches gebraucht wird, kommt von dem späten lateinischen Wort revelatio, das bedeutet (ebenso wie das griechische Wort apokalypsis, von dem das englische Wort «apokalypse» abgeleitet ist) Entfaltung von dem, was vorher verborgen oder unbekannt war.
In der Entfaltung dieses zentralen Themas wird Jesus Christus in Herrlichkeit geoffenbart, im Gegensatz zu Seiner Darstellung in Niedrigkeit in den vier Evangelien.
In der Offenbarung wird Christus der Zeit nach gesehen, als «der da war, und der da kommt» (1,4).
Er steht in Beziehung zu der Gemeinde (1,9 - 3,22),
zu der Trübsal (4,1 - 19,21),
dem Tausendjährigen Königreich (20,1-10)
und dem Zustand in Ewigkeit (20,11 - 22,21).
Christus wird in diesem Buch gezeigt als der
Herrscher über die Könige der Erde (1,5),
der Bräutigam und das Haupt der Gemeinde (2,1-3,22: 19,7-9),
der Löwe des Stammes Juda (5, 5),
das Lamm, das geschlachtet wurde (5,6.12 usw.),
der Hohepriester (8,3-6)
und der König und Richter (19,11 - 20,15).
Das Buch berichtet, was der Apostel Johannes sah und hörte.
Beständig werden Symbole gebraucht.
Die Ereignisse des Tenach und die Prophezeiungen des Tenach werden in reichem Maße erwähnt.
Häufig wechselt der Ort der Handlung von der Erde zum Himmel und zurück auf die Erde.
Es ist ein Bericht des göttlichen Gerichts und des Kampfes, der die ganze Welt erfaßt.
Drei besondere Abschnitte der Offenbarung müssen beachtet werden.
Es wurde Johannes in 1.19 befohlen zu schreiben über
(1) vergangene Dinge, «was du gesehen hast», d.h. die Patmos Vision (1, 1-20):
(2) gegenwärtige Dinge, «was ist», d.h. die bestehenden Gemeinden (2, 1-3, 22); und
(3) zu künftige Dinge, «die Dinge, die hernach sein werden (wörtl. nach diesen)», d.h. Ereignisse nach dem Zeitalter der Gemeinde (4, 1-22, 5).
Es ist wichtig zu beachten, daß das Buch mit Kap. 4 beginnend, zukünftige Ereignisse beschreibt.
Der dritte große Abschnitt der Offenbarung (4, 1-22, 21) ist durch Serien von sieben Ereignissen gekennzeichnet:
sieben Siegel (4,1 - 8,1),
sieben Posaunen (8,2 - 11,19),
sieben Schalen (15,1 - 16,21),
sieben Gerichte (17,1 - 20,15)
und sieben neue Dinge (21,1 - 22,21).
Wichtige Abschnitte, die eingeschoben (Parenthesen) sind und ergänzen oder klarstellen wollen, sind zu beachten,
so der jüdische Überrest und die Heiligen aus der Trübsal (7,1-17):
der Engel, das kleine Buch und die beiden Zeugen (10,1 - 11,14):
das Lamm, der Überrest und die Verkündigung des ewigen Evangeliums (14,1-13):
die Versammlung der Könige der Erde und die Vorbereitung von Harmagedon (16,13-16):
und endlich die vier Halleluja im Himmel (19,1-6).
Diese Abschnitte führen die prophetische Erzählung nicht weiter, sondern sie schauen rückwärts und vorwärts, sie fassen die Vergangenheit zusammen und nehmen die Zukunft voraus.
Die Reihenfolge der Erzählung ist daher nicht immer chronologisch. Der Zusammenhang wird haupt sächlich gewährleistet durch Ereignisse, die symbolisch dargestellt werden durch die Siegel, die Posaunen und die Schalen. Der Hauptzweck des Buches besteht darin, den Hintergrund zu geben für die Offenbarung Jesu Christi. Besondere Aufmerksamkeit wird der Zeit der Trübsal gegeben (Kap. 4-19), die vermutlich mit der sieb zigsten Woche Daniels zusammenfällt (Dan. 9, 24-27). Die Große Trübsal, die Hälfte jener «Woche», wird besonders betrachtet. Der Höhepunkt des Buches beginnt mit der Offenbarung des Herrn Jesus Christus in Kap. 19. Die Ausleger der Offenbarung sollten zwei Schriftstellen im Auge behalten: 1.Petr. 1,12: 2.Petr. 1,20-21. Vieles von dem, was jetzt noch dunkel ist, wird denen, für die es geschrieben ist, klar werden, wenn die Zeit nahe ist.
Das Buch kann folgendermaßen eingeteilt werden:
Einleitung, 1, 1-3.1.
Die Botschaften des erhöhten Herrn an die sieben Gemeinden, I, 4-3, 22.
II. Das öffnen der Rolle mit den sieben Siegeln, 4-6: 8, 1.
III. Parenthese (Einschaltung): Juden und Heiden, die während der Trübsal gerettet wurden, 7.
IV. Die Gerichte der sieben Posaunen, 8,2-9,21: 11, 15-19.
V.Parenthese: 10, 1-11,14.
VI. Besondere Persönlichkeiten, 12.
Vll. Das Aufkommen und die Regierung des Tieres und des falschen Propheten, 13.
VIII. Parenthese: 14.
IX. Die Gerichte der sieben Schalen, 15-16.
X. Das Gericht über Babylon, 17-18.
XI Die Schlacht von Harmagedon und das darauf folgende Tausendjährige Reich, 19,1 - 20,6.
Xll. Das letzte Gericht und die heilige Stadt, 20,7 - 22,5.
Xlll. Die letzte Botschaft der Bibel, 22,6-19.
Schluß. 22,20-21.
Schlüsselvers: Kapitel 1,19.
Schlüsselausdruck: Die Offenbarung Jesu Christi.
Botschaft: Jesus Christus, der verherrlichte Sieger.
Ein schwieriges Buch?
Die Offenbarung ist anerkanntermassen das am schwierigsten auszulegende Buch der Bibel, und um dieser Ursache willen wird es, obwohl seinem Studium ein besonderer Segen verheissen ist (Kap. 1,3), sehr vernachlässigt. Wir können nicht umhin, anzunehmen, dass Satan hinter dieser Vernachlässigung steckt, weil es viel über seinen endgültigen Sturz zu sagen hat. Warum sollten wir das Buch übergehen, nur weil es so schwierig und geheimnisvoll ist?
Lassen Männer der Wissenschaft auch wissenschaftliche Probleme liegen, nur weil sie schwierig zu ergründen und zu begreifen sind? Dieses Buch ist prophetisch und geht über den Rahmen der menschlichen Belange und sogar Zeiten hinaus, weshalb es fast durchweg in vielen symbolischen Bildern geschrieben ist.
Ein glorreicher Abschluss der Bibel
Die Offenbarung bildet einen glorreichen Abschluss der göttlichen Büchersammlung der Bibel. Wunderbar ist die Harmonie zwischen dem ersten Buch Mose und der Offenbarung:
Im 1. Buch Mose sehen wir, wie die Erde erschaffen wird; in der Offenbarung, wie sie vergeht.
Im 1. Buch Mose erscheinen Sonne und Mond; in der Offenbarung lesen wir, dass wir der Sonne und des Mondes nicht mehr bedürfen werden.
Im 1. Buch Mose ist ein Garten die Wohnstätte des Menschen; in der Offenbarung ist eine Stadt als Wohnung der Heiligen vorhanden.
Im 1. Buch Mose finden wir die Hochzeit des ersten Adam; in der Offenbarung die Hochzeit des zweiten und letzten Adam.
Im 1. Buch Mose haben wir das erste Erscheinen des grossen Feindes, Satan; in der Offenbarung sein endgültiges Urteil und Hinabge worfenwerden in den Feuersee.
Im 1. Buch Mose finden sich die Einführung von Sorge, Leiden und Tod; wir hören die ersten Seufzer und sehen die ersten Tränen; in der Offenbarung aber werden alle Tränen abgewischt.
Im 1. Buch Mose hören wir den Ausspruch des Fluches der Sünde wegen; in der Offenbarung lesen wir, dass «kein Fluch mehr sein wird».
Im 1. Buch Mose sehen wir den Menschen aus dem Garten, wo der Baum des Lebens war, hinausgetrieben; in der Offenbarung sehen wir den Menschen wieder zurückgeführt und der Baum des Lebens steht ewig zu seiner Verfügung.
Im 1. Buch Mose tritt Gott mit der Erschaffung des Weltalls aus der Ewigkeit in die Zeit; in der Offenbarung kehrt Er wieder aus der Zeit in die Ewigkeit zurück, nachdem alle Seine Ratschlüsse erfüllt sind.
Im 1. Buch Mose sehen wir in Adam und Eva das erste Vorbild von Christo und Seiner Brautgemeinde; in der Offenbarung wird die Brautgemeinde mit Christo vereint in der Herrlichkeit dargestellt.
Im 1. Buch Mose beginnt die Geschichte der Sünde des Menschen und das Offenbarwerden der Macht des Bösen, aber auch die Ankündigung des Siegers über diese Macht; in der Offenbarung wird diese Macht und mit ihr die Sünde und die Sünder gerichtet und hinweggetan.
Im 1. Buch Mose erhebt der Mensch seinen Namen über den Namen Gottes; in der Offenbarung findet der Name Jehovas seine volle Offenbarung; der gottfeindliche Name des Menschen wird vernichtet.
Anhaltspunkte:
Zu einem richtigen Verständnis müssen verschiedene Tatsachen beachtet und ständig im Gedächtnis behalten werden:
1. Die Offenbarung gibt ein erhebendes Bild des Herrn Jesus als alleinigem Sieger. Der Schlüsselausdruck lautet: «Offenbarung Jesu Christi», denn die Offenbarung enthüllt den Herrn Jesus in Seinen Rechten als Richter, König des Reiches und Herrn der Welt. Wer immer sich auf das Studium dieses Buches verlegt, umherauszufinden, was es über den Herrn Jesus sagt, wird eine wunderbare Offenbarung empfangen. Nicht weniger als achtundzwanzigmal finden wir darin Christi Opfer-Titel: Das «Lamm».
2. Nach dem Schluss von Kap. 3 wird die Kirche, besser: GdHdG Gemeinde der Heiligen der Gnadenzeit nicht mehr als auf der Erde befindlich dargestellt. Zwischen Kap. 3 und 4 muss die Entrückung stattgefunden haben. In Kap. 4 und 5 finden wir daher die Versammlung ( GdHdG Kirche, Gemeinde) im Himmel. Alle Heiligen des Neuen und Alten Testaments werden im Bilde der 24 Ältesten geschaut. Die Beschreibung derselben entspricht dem Priestertum in 1. Petri 2,4—9. Kapitel 6 und die folgenden handeln von der schrecklichen Drangsal und den letzten Dingen.
3. Das Gesetz des Zurückkommens auf das, was in andern Büchern der Bibel, besonders im ersten Buch Mose geschrieben ist, muss beachtet werden. Wenn wir von einem Fest oder sonst einem Erlebnis heimkommen, pflegen wir unsern Angehörigen einen Bericht von dem Geschauten zu geben. Wenn wir mit unserer Erzählung am Ende sind, kommen wir gerne wieder und wieder darauf zurück, um Ergänzungen zu machen. Dies ist das Gesetz des Zurückkommens. Eben dies tut auch Johannes. Nachdem er einen Bericht über den Anfang der Gerichte auf der Erde und den Endsieg des Herrn Jesu in Kap. 6 bis 11,18 gegeben hat, kommt er nochmals in Kap. 11,19—16 und noch einmal in Kap. 17—22 auf den Gegenstand zurück. Es ist äusserst wichtig, dieses Gesetz des Zurückkommens im Sinn zu behalten, wenn man das Buch liest.
Gliederung:
Kap. 1,19 gibt uns eine Drei-Teilung des Buches, wovon der letzte Abschnitt wieder in drei Teile zerfällt.
A. «Was du gesehen hast» (Kap. 1)
Der Herr Jesus als der Verherrlichte (der Richter)
2. Offenbarung Jesu Christi, nicht des Johannes.
3. Segen für Leser und Hörer (Vers 3)
4. Glorreiche Erscheinung des Herrn Jesu.
5. Beachte, dass in Vers 5 das Wort «Liebe» in der Gegenwartsform steht; Er liebte uns, und gesegnet sei Sein Name, Er liebt noch immer.
B. «Und was ist.» Der Herr Jesus als Herr und Beurteiler der GdHdG (Gemeinde) (Kap. 2 und 3)
2. Diese Botschaften gelten für die Gemeinden aller Zeiten, obwohl sie ein prophetisches Bild der Geschichte der GdHdG ► Gemeinde der Heiligen der Gnadenzeit bilden.
C. «Und was nach diesem geschehen wird»
Der Herr Jesus als der triumphierende Herr 1. Kapitel 4 bis Kap. 11, 18:
2. Das Buch in Kap. 5 ist nicht das Buch des Lebens, sondern das der Gerichte.
3. Der Tag der Drangsal beginnt mit der Öffnung der Siegel in Kap.6.
4. Die Plagen nehmen in den folgenden Kapiteln an Stärke und Menge zu.
5. Kapitel 7 muss im Licht einer Einschaltung betrachtet werden. Diese Unterbrechung gibt uns einen Einblick in die Wege Gottes mit den Seinen und in Sonderheit deren Bewahrung in den Tagen des Gerichts.
6. Zuletzt sehen wir den endgültigen und vollständigen Sieg unseres göttlichen und stetsfort triumphierenden Herrn.
2. Kapitel 11,19 bis Kap. 16:
2. Im vorigen Abschnitt begannen wir mit Christus als dem Verherrlichten; hier werden wir weiter zurückgeführt, sogar bis zu Seiner Geburt, und es werden uns des Teufels Hass und seine Versuche, Ihn zu beseitigen, gezeigt.
3. Wir sehen das Auftauchen und Fortschreiten der furchtbaren Dreieinigkeit des Bösen.
4. Dann erscheint Christus als Sieger, die Niederwerfung der vereinigten Mächte des Bösen und der Fall Babylons.
3. Kapitel 17 bis Kap. 22:
b) die Ankunft Christi, des Siegers, und die Hochzeit des Lammes (Kap. 19).
c) Satans Fall, Gefangennahme, endgültige Niederlage und Ende (Kap. 20).
d) Neue Himmel und neue Erde (Kap. 21,1—8).
e) Das Paradies, die Stadt und die letzten Worte Jesu (Kap. 21,9 bis Kap. 22,21).
Beachte: Vier Halleluja, sämtliche in Kapitel 19. Ferner zehn Lobgesänge.
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Antonino.S
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